Political Leadership

Sprecherin der Sektion

Bettina Pepek
pepek(at)pepek.at | www.political-leadership.co.at

Presseaussendung

Österreichische Gesellschaft für Politikwissenschaft und Gallup Österreich


STUDIE: POLITICAL LEADERSHIP IN ÖSTERREICH

Vorstellungen der ÖsterreicherInnen zur politischen Führung generell und den konkreten Führungsqualitäten von Führungspersönlichkeiten politischer Parteien.
·         Hohe Unzufriedenheit mit dem politischen System in Österreich

·         Grundfesten der Demokratie sind intakt – vorläufig

·         Bildung als Schlüsselfaktor für Zukunftsoptimismus oder –pessimismus

·          „Starker Mann“: Nein, aber …!

·         Sehnsucht nach aufrichtigen ehrlichen und entscheidungsfreudigen PolitikerInnen

·         Eigenschaftsprofile von drei Spitzenkandidaten:  Vertrauen, Mut und Visionen braucht das Land

 

Wien, 28. August 2017

Das Österreichische Gallup Institut und die Sektion Political Leadership der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) präsentieren die erste repräsentative empirische Studie zu Political Leadership in Österreich.

Allgemeine Einstellungen: Hohe Unzufriedenheit mit dem politischen System in Österreich

Nur 28% erweisen sich als mit dem politischen System in Österreich zufrieden, je älter die Befragten, desto größer wird der Anteil der gänzlich Unzufriedenen. Schüler, Studenten, Beamte und Angestellte zeigen eine höhere Zufriedenheit. „Wer mit dem System wenig zufrieden ist, hat auch eine klar pessimistische Sicht für die Zukunft des Landes und auch die eigene Zukunft“, so Studienleiter Günter Haunlieb vom Österreichischen Gallup-Institut im Rahmen eines Pressegesprächs im Presseclub Concordia in Wien.

Insgesamt glauben nur 26%, dass Österreich in 10 Jahren besser dastehen wird, während 42% eine Verschlechterung annehmen. Personen mit höherer formaler Bildung (ab Maturaniveau) und auch Besserverdienende sind für Österreich deutlich optimistischer.

Demokratie: Grundfesten intakt, vorläufig!


Die Wichtigkeit, wählen zu gehen, wird von 86% mit den Höchstnoten 1 und 2 bewertet, aktives Engagement über das Wählen gehen hinaus wird nur mehr von 54% mit diesen Werten gutgeheißen. 23% der Befragten stimmen mit den Noten 1 und 2 der Aussage zu, dass Demokratie „ein Zuschauersport“ ist, 22% glauben mit diesen Werten, dass ihre Stimme bei Wahlen ohnehin nichts ändert.

Maturanten und Akademiker stimmten deutlich seltener den Aussagen zu, dass Demokratie ein Zuschauersport ist und die eigene Stimme wenig ändern kann als die Personen mit niedrigerer formaler Bildung. Drei von vier Befragten vergeben die Höchstnoten 1 und 2 für das Statement „Wir müssen um unsere Demokratie kämpfen, denn es gibt keine bessere Staatsform“. „Je geringer das formale Bildungsniveau, desto geringer die Zustimmung“, betont Günter Haunlieb.

74% stimmen mit den Höchstnoten 1 und 2 der Aussage zu, dass „Demokratie immer noch die beste Regierungsform ist, obwohl die Mehrheit nicht immer Recht hat“. Bei 16-30jährigen und 31-40jährigen beträgt die Zustimmung 63% bzw. 68% und ist damit deutlich schwächer als in der älteren Bevölkerungsgruppe. Personen mit niedriger formaler Schulbildung stimmen der Aussage schwächer zu (61%) als Personen mit höherer Bildung. 26% halten mit den Noten 1 und 2 repräsentative Demokratien wie in Österreich und in Deutschland nicht mehr für zeitgemäß. Jeder Zweite hat auch den Eindruck, dass die Abläufe in der repräsentativen Demokratie zu lange dauern und dadurch Reformen behindern. Ein Mehrheitswahlrecht mit einer einzigen Siegerpartei können sich 37% vorstellen.

Starker Mann: Nein, aber..!

Der Aussage „Es braucht einen starken Mann an der Spitze, der sich nicht um Parlament oder Wahlen sorgt“ stimmen 38% mit den Werten 1 oder 2 zu. Bei höherer formaler Bildung (ab Matura) ist die Zustimmung mit 25% deutlich geringer als bei niedrigerer Bildung. Je pessimistischer man für die eigene Zukunft und die Zukunft Österreichs ist, desto stärker fällt die Zustimmung zu diesem Statement aus. Die wichtigsten Grundhaltungen für einen „starken Mann“ sieht man darin, sich nicht von schlechter Presse von seinen Vorhaben abbringen zu lassen, Reformen durchzuführen, Entscheidungen zu treffen,  mit dem Abbau von Parteibuchwirtschaft und Beamtenprivilegien Ernst zu machen und mit voller Härte gegen Kriminalität vorzugehen. Eine Mehrheit stimmt übrigens zu, dass der „starke Mann“ sehr wohl auch eine „starke Frau“ sein kann!

Keine Mehrheit finden Aussagen, die eine Entmachtung der politischen Parteien durch Volksabstimmungen und der Missachtung von Gesetzen im Zweifelsfall vorsehen! Auch muss der starke Mann niemand sein, der immer das letzte Wort hat, egal wie die Diskussion verlaufen ist.

Der starke Mann (bzw. die „starke Frau“) sollte für 36% aus der gebildeten Schicht stammen, da man dadurch das notwendige Wissen und Verständnis mitbringt, für 33% jedoch auch aus der einfachen arbeitenden Bevölkerung.

Klare Grenzen für den starken Mann


Errungenschaften von modernen Demokratien, die ein starker Mann auf keinen Fall einschränken sollte, sind vor allem Menschenrechte und Wahlrecht (88% nicht einschränken). Nicht eingeschränkt sehen möchte man auch unabhängige Gerichte (84%), Umweltschutz (87%), Minderheitenschutz (83%) und Pressefreiheit (83%). Interessant ist das Ergebnis für die Bundesstaatlichkeit, den Föderalismus:  Mit 57%, die gegen eine Einschränkung sind, erzielt er das schlechteste Ergebnis aller abgefragten Aspekte, während jeder Fünfte (exakt 20%) eine Einschränkung befürwortet.

Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit: Sehnsucht nach aufrichtigen, ehrlichen und entscheidungsfreudigen PolitikerInnen, Absage an Parteipolitik!

Bei spontanen Nennungen, was eine Führungspersönlichkeit am ehesten mitbringen sollte, liegen Toleranz, Verständnis und „Zuhören können“ voran. Wichtig sind auch Ehrlichkeit/Aufrichtigkeit, Durchsetzungsvermögen, Intelligenz/Klugheit, Stärke/Kraft, Seriosität und Menschlichkeit. Von kleineren Gruppen genannt wird auch Kompetenz, Charisma, Volksnähe, Konsequenz und Zielorientierung, Überzeugungskraft und Kompromissfähigkeit.

In der gestützten Bewertung liegt die Hintanstellung der Parteiinteressen gegenüber jenen der Bevölkerung voran, gefolgt von „menschlich bleiben“, gemeinsames Agieren mit der Bevölkerung und der Trennung von privaten und politischen Interessen. 58% wollen auch, dass sich eine Führungspersönlichkeit nicht zu stark von den Medien unter Druck setzen lässt.

Eigenschaftsprofile von Christian Kern, Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache

Befragt nach typischen Eigenschaften von Führungspersönlichkeiten bewerten die ÖsterreicherInnen Sebastian Kurz insgesamt positiver als Christian Kern und Heinz Christian Strache. Mut, die Fähigkeit andere zu motivieren und Durchsetzungsstärke werden mehrheitlich Sebastian Kurz zugeschrieben. Punkto Vertrauen haben er und Christian Kern deutlich bessere Bewertungen als Heinz Christian Strache. Dieser punktet – gleichauf mit Sebastian Kurz und besser bewertet als Christian Kern – mit der Fähigkeit „seine Meinung klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen“.

Conclusio und Ableitungen


„Zusammenfassend ergibt sich ein sehr klares Bild: Die ÖsterreicherInnen fordern Handlungen im Interesse des Landes, die parteipolitischen Interesse müssen dafür in den Hintergrund treten. Die Anliegen der BürgerInnen gehen vor die Anliegen einzelner Parteien“, betont Michael Nitsche, Executive Vice President Gallup International.

„Die Ergebnisse im Hinblick auf die Fragenstellung nach dem „starken Mann“ bzw. der „starken Frau“ können ein Hinweis darauf sein, dass sich die Bevölkerung mehr Entscheidungsfreudigkeit wünscht und das Bedürfnis nach professionelleren (auch transparenteren und in der Kommunikation neu bzw. anders transportierten) Prozessen da ist. Das würde für das paternalistische Leadership-Modell sprechen, mit Leadern als EntscheidungsträgerInnen, die diese Entscheidungen auch durch- und umsetzen müssen“, ergänzt Bettina Pepek, Sprecherin der Sektion Politik Leadership der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft und Mitinitiatorin der vorliegenden Studie.


Ausblick

Die vorliegende Studie bietet viele Möglichkeiten anzuknüpfen, insbesondere im Hinblick auf Tendenzen rund um die Demokratie. Möglich ist auch eine Vertiefung zum Thema Frauen in politischen Führungsrollen sowie eine Fortführung der Studie, bspw. als Österreich-Index für die Entwicklung von Political Leadership.

Weitere Informationen finden Sie auch hier.

Aktuelle Veranstaltungen der Sektion:

Einladung zum Kamingespräch der ÖGPW Sektion Political Leadership am 19. September 2016, 18 Uhr:

Political Leadership und Veränderung. Der (R)Evolutionsprozess der (Wiener) ÖVP 


 
Vor knapp einem Jahr verzeichnet die ÖVP Wien bei den Landtagswahlen ihr historisch schlechtestes Ergebnis.

Die Folgen waren auch eine Neubesetzung der Führungspositionen der Landespartei und ein damit verbundener Generationenwechsel. Bereits davor, 2014, gestalteten Dietmar Halper, Politische Akademie ÖVP, auf Initiative vom heutigen Wiener Landesobmann Gernot Blümel und Harald Mahrer (zu diesem Zeitpunkt Präsident der Julius Raab Stiftung) ihr ambitioniertes (R)Evolutionsprogramm.

Das Kamingespräch widmet sich einer aktuellen Bestandsaufnahme und der Frage wieviel (politische) Führung braucht Veränderung und wie sehr verändern sich gleichzeitig Anforderungen an die politische Führung angesichts der stattfindenden gesellschaftlichen Transformation.

 
Unsere Gesprächspartner:

Dr. Dietmar Halper, Leiter Politische Akademie 

Dr. Markus Wölbitsch , Landesgeschäftsführer ÖVP Wien



Moderation: Bettina Pepek

 

Ort:        kommunikationsraum, Türkenstraße 15/2, 1090 Wien

Zeit:       ab 18 Uhr

 

Anmeldungen bitte an pepek(at)kommunikationsraum.at !


Organisation: Bettina Pepek | www.political-leadership.co.at

Presseaussendung der Sektion Political Leadership zum Kamingespräch mit Rechnungshof-Präsident Dr. Josef Moser


„Zivilcourage kann sehr viel bewirken!“

Rechnungshofpräsident Dr. Josef Moser über Nachhaltigkeit in der (politischen) Führung, die Stimmung im Land, eigene Handlungsspielräume und mit einem Plädoyer für mehr Selbstverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

 
Wien, 28. Jänner 2016

Nein, frustriert sei er nicht. Josef Moser ist trotz Reformstau optimistisch.

„Führen durch Wissen und Überzeugung, dabei Handlungsspielräume schaffen und für das Gegenüber berechenbar bleiben“, bringt Josef Moser sein Leadership-Verständnis auf den Punkt.

„Ohne zu führen geht es nicht. Es geht darum, eine Richtung vorzugeben, gleichzeitig aber das initiative Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern, sodass im Dialog ein gemeinsames Bild entstehen kann.

Auf diese Weise ist es dem Rechnungshof gelungen, die Finanzkontrolle weiterzuentwickeln, mehr Transparenz zu schaffen und durch eine Reihe von Maßnahmen, wie etwa die Einführung eines speziellen Controlling-Systems zur zeitnahen Veröffentlichung der Berichte, wirkungsvoller zu werden“, so Moser anlässlich eines Kamingesprächs der Sektion Political Leadership in Wien.


Begrenzte Amtsperiode gut für Transparenz und Unabhängigkeit

Das Ende der eigenen Amtszeit sieht Josef Moser nach zwölf Jahren realistisch: „Meine Zielrichtung war stets die Unabhängigkeit.

Die Amtsperiode für den Rechnungshofpräsidenten in Österreich von zwölf Jahren ohne Wiederwahlmöglichkeit ist im Sinne der Unabhängigkeit ein angemessener Zeitraum um die Aufgabe effizient wahrnehmen zu können.

Veränderung ist notwendig, sonst herrscht Stagnation“, so Moser, dessen Amtsperiode heuer auslaufen wird, auf die Frage, ob er seinen Abgang bedauert.


Österreich knabbert an seinen Ressourcen, braucht Reformen


Angesprochen auf den Reformstau in Österreich, betont der Rechnungshofpräsident, dass nicht alleine der Föderalismus daran schuld sei, Doppelgleisigkeiten und Ineffizienzen gebe es auch innerhalb der einzelnen Gebietskörperschaftsebenen. Österreich sei ein föderalistisches Land, so Moser, allerdings ist es wichtig, Föderalismus als Prinzip der Subsidiarität zu verstehen, sodass Lösungen optimal beim Bürger ankommen.

„Ja, wir brauchen Reformen! Das Bekenntnis dazu gebe es, die Notwendigkeit von Reformen sei allgemein unumstritten, was fehle, seien nun konkrete Schritte zur Umsetzung. „Dafür braucht es wahnsinnig viel Energie“, räumt Moser ein und ergänzt: „Die Grundstimmung im Land ist schlecht, es gelte daher, umzudenken und, anstatt in Strukturen zu investieren und an unseren Ressourcen zu knabbern, zu gewährleisten, dass das Geld bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt, sodass eine nachhaltige Zukunft möglich ist.“


Neuer Politikertypus gefordert


Moser bejaht in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit eines Politikertypus mit Mut zu Visionen und Vertrauen in die Menschen: „Wenn ich weiß wohin ich will, kann ich Österreich mitnehmen!

Wir sind ein Staat, wohin wollen wir gehen? Auch das ist für mich politisches Leadership!“

Der gebürtige Kärntner, der seine politische Karriere ursprünglich mit einer regionalen Bürgerinitiative startete, plädiert in diesem Zusammenhang auch für mehr Mut zu Eigeninitiative und Selbstverantwortung:

„Wir haben das Bett gemacht indem wir liegen! Wir geben uns zu leicht zufrieden und schauen viel zu wenig, was hinter vielen Ankündigungen steckt. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, das Zivilcourage sehr viel bewirken kann!“

Zur Umsetzung von Reformen müssten alle an einem Strang ziehen – Politik, Medien, Bürgerinnen und Bürger.

Das Kamingespräch fand am 25. Jänner auf Einladung der Sektion Political Leadership in Wien statt und wurde von Dr. Iris Ullmann, Politologin und Autorin, moderiert.

 

Rückfragen:Bettina Pepek, SprecherinT: 0664 510 86 78www.political-leadership.co.at

Frühere Veranstaltungen der Sektion: 

Die ÖGPW Sektion "Political Leadership" lädt zum Kamingespräch ein:

Reformstau in Österreich – Gründe und Lösungsansätze im Zusammenhang mit Political Leadership
Gast: Dr. Josef Moser, Präsident Österreichischer Rechnungshof
Moderation: Dr. Iris Ullmann
Am: 25. Jänner 2016, 18 Uhr
Edelweiß Consulting GmbH, Kärntnerstraße 51/Stiege 1/Tür 21

Um Anmeldung wird gebeten: pepek(at)kommunikationsraum.at

 

EINE ÜBERSICHT ÜBER SÄMTLICHE VERANSTALTUNGEN DER SEKTION FINDEN SIE HIER.

Nächste Termine

 

19. September 2016

Kamingespräch: Political Leadership und Veränderung. Der (R)Evolutionsprozess der (Wiener) ÖVP 

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