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METHODENWORKSHOP powi04, 5. – 10. September 2005

Bereits im Rahmen der Graduiertenkonferenz im Mai 2004 wurde im Anschluss an das damals abgehaltene Panel „Methoden – Blinder Fleck der Politikwissenschaft“ festgehalten, dass eine stärkere Sensibilisierung und der bewusstere Umgang mit einem weit gefächerten Spektrum von Methoden notwendig ist, um zur weiteren wissenschaftlichen Entwicklung des Faches beizutragen und die internationale Anbindung der österreichischen Politikwissenschaft zu gewährleisten. Eine Möglichkeit, diese Sensibilisierung zu erreichen und den richtigen Umgang mit diversen Methoden zu erlernen, wurde von Powi04 in der Organisation und Abhaltung eines Methodenworkshops gesehen.

Gerade die Vermittlung und die Anwendung von Methoden während des Studiums wird von Seiten der Graduierten als nicht ausreichend empfunden. Dies lässt sich aus der Entwicklung erklären, dass die Methodenlehre in der österreichischen Politikwissenschaft lange unterrepräsentiert war und ist (vgl. etwa den alten, noch bis November 2008 gültigen Studienplan der Studienrichtung Politikwissenschaft an der Universität Wien mit lediglich einer verpflichtenden Vorlesung zu Methoden und einem Methodenproseminar im ersten Studienabschnitt). Diesem Methodenmangel wird auch im Doktoratsstudium kaum Abhilfe geschaffen. Viele Graduierte fühlen sich daher gerade in der Phase des selbständigen wissenschaftlichen Arbeitens mit einem methodischen Wissensdefizit konfrontiert.

Ziel des Methoden-Workshops war es daher, einen Überblick über aktuelle methodische Ansätze zu geben, diese zu diskutieren und auf ihre praktische Anwendbarkeit hin einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Da im Gegensatz zu üblichen Lehrangeboten der Workshop von Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen der Powi04 selbst konzipiert und durchgeführt wurde, konnte ein entsprechendes zielgruppen- bzw. bedarfsorientiertes Angebot sichergestellt werden.

Um der wachsenden Internationalisierung der Wissenschaft Rechnung zu tragen, wurde sowohl auf der Ebene der Vortragenden als auch auf der Ebene der Teilnehmer/innen auf eine möglichst internationale Zusammensetzung geachtet. Dies auch, um von der internationalen Erfahrung der Vortragenden im Bereich der Methoden zu profitieren. Der Workshop sollte nicht nur die Auseinandersetzung mit einer spezifischen Methode anbieten, sondern sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Methodenansätze auseinandersetzen und einen integrativen und übergreifenden Ansatz verfolgen. Damit sollte auch die Schulung in den verschiedensten sozialwissenschaftlichen Methoden gewährleistet und eine interdisziplinäre Orientierung der Wissenschaftler/innen gestärkt werden.

Der fünftägige Workshop (zwei Halbtage, vier ganze Tage; insgesamt: Montag bis Samstag) wurde von einer Auftaktdiskussion und einer Endveranstaltung (Präsentation zweier Forschungsprojekte) umrahmt und fand in Modulen statt. An jedem der insgesamt vier Arbeitstage wurde jeweils ein methodischer Schwerpunkt gesetzt: „Diskursanalyse“, „Problemstellungen quantitativer Analyse“, „Interview – qualitative Auswertung – Ethnographie“ sowie „feministische Ansätze“. Am Beginn jedes Moduls stand ein Vortrag der eingeladenen Methodenspezialistinnen bzw. -spezialisten, in denen die grundlegenden Fragen der Methodenanwendung in den Sozialwissenschaften mit einer kritischen Reflexion der aktuellen Methodendebatten verknüpft wurden. Der formale Tagesablauf an diesen vier Arbeitstagen gestaltete sich wie folgt:
a) Modul I: In der ersten Einheit am Vormittag (10:00 bis 11:30) wurden die Grundlagen einer konkreten Methode von den Vortragenden präsentiert und diskutiert.
b) Modul II: In der zweiten Einheit (13:30 bis 15:00) wurden die konkreten Möglichkeiten und Probleme bei der Anwendbarkeit dieser Methode in Wissenschaft und Praxis diskutiert.
c) Praxiseinheit: In der letzten Einheit des Tages (15:30 bis 17:00) präsentierten die einzelnen Teilnehmer/innen ihre konkreten methodologischen Probleme anhand von bereits im Vorfeld durch die Teilnehmer/innen vorbereiteten Fallbeispielen dem Plenum. Diese dienten dann zur konkreten Reflexion von methodologischen Problemstellungen durch die wissenschaftlichen Leiter/innen und die anderen Teilnehmer/innen.

Insgesamt nahmen an dem Workshop 33 Personen teil. Besonders hervorzuheben ist, dass von den 33 Teilnehmer/innen 24 Frauen (73%) und 9 Männer (27%) waren.
23 der 33 Teilnehmer/innen (70%) kamen von heimischen Universitäten bzw. Forschungsinstitutionen, die restlichen 10 (30%) von europäischen bzw. außereuropäischen akademischen Einrichtungen. Damit konnte die selbst festgesetzte Quote an internationalen Doktorand/innen erfüllt werden.
Es sei noch darauf hingewiesen, dass Teilnehmer/innen von den folgenden Universitäten nicht am Workshop teilnehmen konnten, da es leider nicht möglich war einen Reisekostenzuschuss zur Verfügung zu stellen und sie auch keine finanzielle Unterstützung durch ihre Heimuniversitäten erhielten: Queen’s University Belfast/Nordirland, Tel Aviv University/Israel, New School University, New York/USA, Sabanci University, Istanbul/Türkei. Es ist davon auszugehen, dass die Bereitstellung eines Fahrtkostenzuschusses, die Internationalität des Workshops noch weiter gehoben hätte.

Obwohl an dem Workshop die meisten Teilnehmer/innen Graduierte der Politikwissenschaft waren, konnte doch ein hoher Grad an Interdisziplinarität sichergestellt werden, da zahlreiche Teilnehmer/innen aus anderen sozialwissenschaftlichen Studienrichtungen wie Soziologie, Psychologie, Ethnologie, Erziehungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Kommunikationswissenschaft kamen. Es konnte sich somit ein fruchtbarer methodischer Dialog zwischen den einzelnen Disziplinen, ihren spezifischen Ansätzen und Problemen entfalten.
Von den Teilnehmer/innen wurde im Vorfeld eine Zuordnung zu einem bestimmten Workshopschwerpunkt verlangt, im Rahmen dessen die methodischen Probleme der jeweiligen aktuellen Forschung präsentiert und diskutiert werden sollten. Der größte Teil ordnete sich dem Schwerpunkt „Interview – qualitative Auswertung – Ethnographie“ zu (12), gefolgt von „Diskursanalyse“ (9), „Feministische Ansätze“ (6) und „Problemstellungen quantitativer Analyse“ (4) (zwei Teilnehmer/innen ordneten sich keinem der Schwerpunkte hinzu). Dies mag ein Indikator dafür sein, dass zumindest in der österreichischen politikwissenschaftlichen Nachwuchsforschung, qualitative Methoden noch immer zu den wichtigsten Methodenansätzen zählen, quantitative Ansätze dagegen eher unterrepräsentiert sind.

Beschreibung der einzelnen Workshoptage

Montag: Eröffnung

Der Workshop wurde mit einem öffentlichen Panel zu „Methoden in der Politikwissenschaft“ in der Aula des alten AKH Campus eröffnet. Unter den Zuhörern und Zuhörerinnen fanden sich nicht nur die Teilnehmer/innen des Workshops, sondern auch zahlreiche andere Interessierte ein. Birgit Sauer, Professorin und stellvertretende Institutsleiterin des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Wien, die das Panel moderierte, begrüßte die Teilnehmenden des Workshops im Namen des Instituts für Politikwissenschaft und stellte die eingeladenen Paneldiskutierenden vor. Dies waren:

- Beate Littig, Leiterin der Abteilung für Soziologie am Institut für Höhere Studien, Wien
- Karl H. Müller vom Wiener Institut für Sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik
- Andreas Pribersky, wissenschaftlicher Beamter am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien

Andreas Pribersky plädierte für eine grundlegende Reflexion der heimischen Politikwissenschaft, welche zuweilen stark normativ orientiert sei. Einige Vertreter/innen der Disziplin produzieren eine lose Textsammlung, die in Form eines geschlossenen Narrativ auftrete, wobei eine Weg-Ziel Spannung auftrete, so Pribersky. Parallel dazu gebe es in der Politikwissenschaft eine Unempfindlichkeit für Theorie und Methoden. In diesem Zusammenhang monierte Pribersky auch die aktuellen Curricula, in denen zu wenig Verständnis für die eigenen epistemologischen Grundlagen und zuwenig Bereitschaft zum Einlassen auf Methodendebatten bestehe. Er verwendete dabei die Metapher von einem „Zug ohne verbindende Logistik“.

Karl Müller gab einen Einblick in die Herausforderungen und Problemlagen der Quantitativen Methoden. Mit einigen sehr illustrativen Beispielen, wie Umfragen zur Lebenszufriedenheit, machte er seine These von „Daten auf tönernen Füßen“ deutlich. Damit arbeitete er in diesem Zusammenhang Stärken und Schwächen quantitativer Methoden heraus und trat schließlich u.a. für einen Methodenmix ein.

Den Abschluss bildete der Vortrag Beate Littigs zu „Quantitativ versus qualitativ? Ein Plädoyer für das Ende des sozialwissenschaftlichen Methodenstreits“. Hierin skizzierte sie die seit den letzten Jahren unternommenen Vorschläge zu integrierenden Verfahren von quantitativen und qualitativen Methoden. Besonders prominent sind Kombinationen verschiedener Erhebungs- und Auswertungsverfahren, deren Ausgestaltung von einem hierarchischen, explorativen Verhältnis quantitativer und qualitativer Verfahren zueinander, über wechselseitige Validierung bis zur additiven Multi-Perspektivität reicht.
In der anschließenden Diskussion wies Beate Littig darauf hin, dass die geeignetste Methode jedoch diejenige sei, die der Fragestellung und dem Erkenntnisinteresse am angemessensten ist. Bezüglich der zukünftigen Methodenausbildung von Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern bedeute dies, einen möglichst weitgefächerten Methodenkanon anzubieten.


Dienstag: Chantal Mouffe / Benoît Rihoux

Chantal Mouffe, Professorin für Politische Theorie an der University of Westminster in London und Mitglied des Collège International de Philosophie in Paris, stellte den von ihr und Ernesto Laclau entwickelten und gegenwärtig zu den wichtigsten Diskurstheorien zählenden post-gramscianischen Ansatz dar.
Während des ersten Moduls erläuterte sie die epistemologischen Prämissen ihres Ansatzes und verortete ihn in der aktuellen Debatte diskursanalytischer Forschungsmethoden. Der post-gramscianische Ansatz versteht die Gesamtheit des Sozialen als ein Gemenge von verschiedenen diskursiven Praktiken, die, um zu bestehen, von diskursiven Stabilisierungsprozessen abhängen. Für eine diskurstheoretische Gesellschaftsanalyse spielen deshalb die Kämpfe und Auseinandersetzungen über konkrete Sinn- oder Bedeutungsfixierungen eine zentrale Rolle.
Während des zweiten Moduls explizierte Chantal Mouffe die Konzeption der Unmöglichkeit von Totalität des post-gramscianischen Ansatzes. Da diskursive Prozesse immer Bedeutungsüberschüsse oder Mehrdeutigkeiten implizieren, ist eine endgültige Fixierung von Sinn nicht möglich. Die Diskurstheorie interessiert sich nun gerade für die Art und Weise der Konstruktion der Bedeutungsherstellung bzw. der Fehlschläge und Zusammenbrüche oder Verschiebungen von Bedeutungen.
Während des dritten Moduls hatten Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Workshops Gelegenheit, ihre Dissertationsvorhaben in Bezug auf diskurstheoretische Fragestellungen bzw. Konzeptionen mit Chantal Mouffe zu diskutieren.

Eine besondere Freude für die Veranstalter/innen war die Zusage von Prof. Benoît Rihoux von der Université Catholique de Louvain, der am Dienstagabend einen öffentlichen Vortrag hielt. Das Thema lautete: „Systematic Comparative Case Analysis: A Third Way Between Qualitative And Quantitative Methods?“ Neben den Teilnehmer/innen des Workshops kamen noch etwa 20 weitere Interessierte in den Hörsaal 16 im Hauptgebäude der Universität Wien. Eingeleitet und moderiert von Prof. Hans-Georg Heinrich vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, präsentierte Prof. Rihoux einen relativ neuen Ansatz zur Analyse. „Qualitative Comparative Analysis“ (QCA) basiert auf Boolescher Algebra. Rihoux unterstrich vor allem die Wirksamkeit des Ansatzes zur Typologisierung und zur Überprüfung der Kohärenz von Daten. Er eignet sich insbesondere für Studien mit wenigen Fällen (zwischen 4 und 50), in einem Bereich also, wo quantitative Verfahren noch problematisch sind und qualitative Verfahren nur noch mit viel Aufwand greifen. Im Anschluss wurde den Fragen und Diskussionspunkten der Zuhörer/innen breiter Raum gewidmet.


Mittwoch: Carsten Q. Schneider

Nach dem durch persönliche Gründe bedingten kurzfristigen Ausfall des eigentlich vorgesehenen Vortragenden Bernhard Kittel, konnte mit Carsten Q. Schneider – trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit – ein kompetenter Ersatz gefunden werden. Carsten Schneider ist Assistant Professor am Department of Political Science an der Central European University in Budapest, wo er sich primär mit Methodenproblemen in der Vergleichenden Politikwissenschaft auseinandersetzt. Neben profunder Kenntnis in verschiedenen Bereichen quantitativer Methodik ist Schneider ausgewiesener Experte in Qualitative Comparative Analysis (QCA).
In der ersten Einheit stand die Diskussion von Stärken und Schwächen statistischer Verfahren auf allgemeiner Ebene im Mittelpunkt. Schneider legte dabei einen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit der Anwendbarkeit von Statistik, da hier nach seiner Erfahrung die meisten Ursachen von Problemen in der praktischen Umsetzung zu finden sind.
In der zweiten Einheit, die aufgrund der durch die Kurzfristigkeit seiner Zusage bedingten terminlichen Einschränkungen von Schneider zeitlich vorverlegt wurde, stellte er ausführlicher den schon von Benoît Rihoux am Vorabend präsentierten Ansatz der QCA vor. Das Hauptaugenmerk wurde dabei auf die konkrete Anwendung anhand von Fallbeispielen gelegt, die interaktiv von der gesamten Gruppe entwickelt wurden.
In der Abschlusseinheit wurden drei mit quantitativer Methodik arbeitende Dissertationsprojekte und die dabei auftretenden Methodenprobleme und mögliche Lösungen ausführlich diskutiert.


Donnerstag: Manfred Lueger

Die Mittwochseinheit zum Thema „Interview – Ethnographie – qualitative Analyse“ wurde von Manfred Lueger, Professor für Soziologie an der Wirtschaftsuniversität Wien, geleitet. Lueger präsentierte einige maßgebliche Ansätze für die Konzeptionalisierung, Durchführung und Auswertung von qualitativen Interviews im Rahmen eines Forschungsdesigns. Besonders wichtig waren dabei auch die Hinweise auf verschiedene methodologische Problemstellungen in Bezug auf den Gehalt der Interviews – kurz gefasst: die Unterscheidung zwischen dem „Was gesagt wird“ und dem „Wie es gesagt wird“.
Die Diskussion der Problemstellungen der einzelnen Dissertationsprojekte verlief dann zum einen zu forschungspraktischen Fragen, zum anderen zu der Frage, wie ein bereits bestehender Datensatz richtig und effizient ausgewertet werden kann. Lueger plädierte für eine forschungsrealistische Herangehensweise. Während der laufenden Erhebung und Untersuchung müsse es noch möglich sein, theoretische und methodologische Modifikationen vorzunehmen.


Freitag: Regina Maria Dackweiler

Regina Dackweiler, die an der FH-Bielefeld lehrt und forscht, gestaltete den letzten Schwerpunkt des Workshops zu feministischer Methodenkritik, der sich vor allem auch als Klammer zu den zuvor gehaltenen Einheiten verstand, um die diversen Methoden aus einer geschlechterkritischen Perspektive zu diskutieren.
Die erste Einheit setzte sich mit den Prinzipien und Erkenntnissen eines geschlechtersensiblen Umgangs mit Forschung, wie der Standpunktepistemologie, auseinander.
In einem zweiten Teil ging die Vortragende dann auf Möglichkeiten und Probleme des geschlechterkritischen Experteninterviews ein. Regina Dackweiler betonte dabei, dass es sich beim Experteninterview nicht um bloße Informationsvermittlung handle, sondern um eine Situationskonstruktion und Interaktion, die u.a. geprägt sei von Interessen, Macht und Hierarchie als auch von zwischenmenschlichen Gefühlen. Ihre Thesen untermauerte sie in der Folge am Beispiel der von ihr durchgeführten Studie zu „Reaktionen von Männern auf Gleichstellungsinitiativen in Organisationen“, die im Auftrag des österreichischen Frauenministeriums erhoben wurde. Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrages setzte sich mit dem methodischen „Dilemma“ auseinander, dass durch Genderforschung zugleich Gender (re-)produziert werde („Doing gender while doing gender research“). Im Anschluss ging Professorin Dackweiler auf Prinzipien der Interviewführung und methodische Herausforderungen gegengeschlechtlicher Interview-Interaktion im Experteninterview ein, ehe sie an einem Fallbeispiel die Bedeutung von Geschlecht von Interviewenden illustrierte. Der dritte und letzte Teil bot schließlich den einzelnen Teilnehmer/innen mit Dissertationsprojekten auf dem Gebiet der Geschlechterforschung Raum, um ihre Arbeiten zu diskutieren und weitere methodische Vorgehensweisen zu beraten.

Zum besseren Austausch und zur sozialen Vernetzung wurde Freitag Abend ein gemeinsamer Lokalbesuch eingeplant. Ein Großteil der Teilnehmer/innen kam diesem Angebot nach und es bot sich dadurch die Möglichkeit, auch über den Workshop hinaus zu diskutieren und sich über Probleme und Freuden der unterschiedlichen Forschungstätigkeiten und Wissenschaftskulturen zu unterhalten.


Samstag: Beispiele aus der Praxis / Abschluss

Der Abschlusstag stand unter dem Zeichen einer praxisnahen Diskussion anhand von vorgestellten Fallbeispielen aus der Forschungspraxis. Dazu präsentierten unter der Moderation von Regina-Maria Dackweiler Zuzana Kiczková und Nikola Langreiter aus ihrer Projekt-/Dissertationsarbeit.

Zuzana Kiczková, Professorin für Philosophie an der Comenius Universität in Bratislava, präsentierte ihre Erfahrungen als Leiterin der slowakischen Gruppe des international und interdisziplinär ausgerichteten Projektes „Frauengedächtnis“. Im Zuge dieses Projektes wurden von mehreren Teams über 300 lebensgeschichtliche Interviews geführt und diese mit umfassenden Kontextstudien übereingebracht. Kiczková setzte sich in ihrem Bericht vor allem mit der komplexen Interaktion innerhalb der Forscherinnengruppen und den Verwendungszusammenhang, gerade auch in seiner ethischen Dimension, auseinander.

Nikola Langreiter, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) und Lehrbeauftragte an den Universitäten Wien und Innsbruck, präsentierte detailreich den Verlauf der ethnographischen Datenerhebung im Zuge ihrer Dissertation. Besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die Schwierigkeiten in der konkreten Umsetzung der Interviewführung und auf den schwierigen, von Phasen des Selbstzweifels und der Selbstkorrektur durchzogenen Prozess der Dateninterpretation.
Beide Präsentationen wurden von allen Teilnehmer/innen als einer der Höhepunkte des gesamten Workshops hervorgehoben.

Nach einer Abschlussrunde, in der die Teilnehmer/innen ihre persönlichen Eindrücke des Workshops darlegten, gab es zum Ausklang noch ein Buffet im Sozialraum des Instituts für Politikwissenschaft, das den Teilnehmer/innen die Gelegenheit zur vertieften Diskussion des Workshops und zur weitergehenden Vernetzung bot.


Evaluation des Workshops

Insgesamt betrachtet und das mündliche und schriftliche Feedback der Teilnehmer/innen und der Vortragenden des Workshops berücksichtigend, kann der Methoden-Workshop von Powi04 als Erfolg gesehen werden. Besonders aus der Evaluation der folgenden Punkte lässt sich ein positives Resümee ziehen:

· Die Vorstellung und Diskussion unterschiedlicher Methodenansätze wurde von den Beteiligten als sehr positiv wahrgenommen. Dadurch wurde eine Beschäftigung mit neuen methodischen Ansätzen, die im eigenen Forschungsbereich bisher noch nicht berücksichtigt wurden, ermöglicht und eine Auseinandersetzung mit diesen neuen Methoden in Gang gesetzt. Aus den Feedbackbögen: „Die Erwartungen ‚Methodenvielfalt und Ansatz von unten’ wurden erfüllt.“ „Wertvoll, die Herangehens-/ Denkweise sozialwissenschaftlicher Forschung/ForscherInnen kennenzulernen.“ Die unterschiedlichen Ansätze mit ihren je eigenen Problemen bieten auch jeweils eigene Problemlösungskompetenzen und lassen sich eventuell im Sinne eines innovativen und methodenübergreifenden Ansatzes sinnvoll miteinander verbinden. Somit können die Nachwuchswissenschaftler/innen in der Auseinandersetzung mit Wissenschaftstheorie und Methoden zukünftig durchaus die Rolle von Impulsgeber/innen für neue Formen des Forschens einnehmen. Dies entspricht insbesondere den Absichten der Förderrichtlinien, wie sie von der Abteilung Gesellschaftswissenschaften im Programm „Transdisziplinäres Forschen“ vorgesehen sind.

· Besonders positiv wurde von allen Teilnehmenden das offene und kreative Diskussionsklima innerhalb des Workshops bewertet. Sowohl die Diskussion zwischen Vortragenden und Teilnehmer/innen als auch die Diskussion zwischen den Graduierten selbst wurde als fruchtbar und förderlich empfunden. Aus den Feedbackbögen: „Insgesamt hat alles funktioniert; trotzdem wars nicht unter perfektionistischem Zwang; das hat die Atmosphäre sehr gut gemacht.“ „Gut war Auseinandersetzung mit versch. Methoden in freundlicher Atmosphäre.“

· Weiters wurde auch die Gestaltung des letzten Tages mit der Präsentation zweier Forschungsprojekte von den Teilnehmenden als sehr gelungen erachtet. Es scheint, dass die konkrete Darstellung eines Forschungsprojektes, seiner methodischen Probleme und der Wege, wie diese Probleme gelöst werden können, das besondere Interesse der Nachwuchswissenschaftler/innen weckten. Somit ist sicher weiterer Bedarf an der Darstellung und Diskussion der Forschungspraxis und des Forschungsalltags gegeben, auch um eine weitere Orientierung an Praxisfeldern zu ermöglichen. Aus den Feedbackbögen: „Langreiter war für mich eines der Highlights des Workshops!“ „Sehr gute Reflexion von konkreten Forschungserfahrungen: inspirierend und kreativitätsfördernd im Umgang mit Methoden.“

· Im Rahmen des Workshops konnte auch auf eine stärkere Vernetzung der Graduierten hingearbeitet werden. Diese stärkere Kooperation erfolgt in mehrere Richtungen. Zum einen bot der Workshop eine Plattform zur weitergehenden Vernetzung zwischen den österreichischen Graduierten der Politikwissenschaft an den drei Standorten Innsbruck, Salzburg und Wien. Die offene Mailingliste PhD_Politikwissenschaft@yahoogroups.de fungiert dabei als wichtigstes Kommunikationsinstrument. Weiters konnte durch den Workshop auch ein Austausch zwischen den Graduierten unterschiedlicher Disziplinen angeregt werden, der sich unter Umständen in einer stärkeren Kooperation zwischen Graduierteninitiativen einzelner Studienrichtungen niederschlagen wird. Schließlich erfolgte mit den teilnehmenden Graduierten aus dem Ausland ebenfalls ein Austausch, der eine stärkere und nachhaltige Kooperation zwischen österreichischen und internationalen Graduierteninitiativen und damit eine weitere Internationalisierung der österreichischen Forschungslandschaft im Nachwuchsbereich ermöglichen sollte.

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Der Methodenworkshop wurde unterstützt von:

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