Veranstaltung

BA- und MA-AbsolventInnen am Arbeitsmarkt. Neue Titel - weniger Chancen?

An der Universität Innsbruck diskutierten am 15. November 2007 Martin Geiger, Anita Glaser-Marinell, Bernhard Natter, Claus Reitan und Doris Winkler-Hofer unter der Moderation von Peter Plaikner über Chancen von AbsolventInnen mit BA- und MA-Abschluss am Arbeitsmarkt. Der Round Table fand im Zuge der Veranstaltungsreihe „Die Zukunft der Politikwissenschaft“ statt.

Mag. Anita Glaser-Marinell (Duftner  & Partner) sagte gleich in ihrem Eingangs-Statement, dass es für eine  solche Einschätzung noch viel zu früh sei. Die Personalberaterin sorgte mit ihrer Bemerkung, dass nicht Titel oder Abschluss, sondern vor allem Persönlichkeit eines Berufsanwärters entscheide, für den roten Faden der Podiumsdiskussion unter Leitung des Medienberaters Peter Plaikner. Claus Reitan, Chefredakteur der Zeitung Österreich, nahm den Ball sofort auf und illustrierte die Grundeinstellung von Entscheidern bei der Job-Rekrutierung sehr plastisch: „Wenn ein Stück Papier am Boden liegt, gehen die meisten achtlos vorbei. Mich interessiert derjenige, der es aufhebt.“ Mit ähnlich starkem Praxisbezug, aber vollkommen anderer Perspektive startete Martina Geiger, die Vorsitzende der Fakultätsstudienvertretung Politikwissenschaft und Soziologie, in das Gespräch. Letztlich eine Vertreterin der Generation Praktikum ging es ihr auch um die künftigen Möglichkeiten, diverse Studien miteinander zu verknüpfen. Aus Sicht der Personalberatung darf diese Kombinationsfähigkeit keinesfalls auf Kosten der Mobilität gehen. Die zu enge Bindung an einen Studienstandort kann ein Wettbewerbsnachteil sein. Insbesondere Auslandserfahrung wird immer wichtiger. 


Auf diese weitgehende Flexibilisierung auf allen Ebenen ging auch Dr. Doris Winkler-Hofer von der Abteilung Verwaltungsorganisation und Personalmanagement des Amtes der Tiroler Landesregierung ein: Die geradezu eherne Regel, welcher Titel für welche Dienstklasse reiche bzw. unweigerlich in sie führe, erhält erste Risse. Das Beharrungsvermögen gegen stärker leistungs- als abschlussorientierte Laufbahnschemata ist allerdings enorm.  


Während im höheren Landesdienst nach wie vor Juristen überwiegen, führte Dr. Bernhard Natter vom Institut für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck die Diskussion zurück zu den Bachelor- und Master-Abschlüssen in seinem Fachbereich. Politologie als Studium, das wesentlich vielfältigere Karrierewege ermögliche, als weithin bekannt ist.  Der Faktor Praktikum spielt dabei für die studentische Perspektive von Martina Geiger auch eine wichtige Selbsterfahrungsrolle: Was können Unternehmen von mir brauchen? Das Podium war sich aber einig, dass dies nicht in eine zu starke Wirtschaftsorientierung des Studiums münden dürfe. Darin müssten sich Universitäten und Fachhochschulen weiterhin unterscheiden. 


Anita Glaser-Marinell hielt dennoch neuerlich dagegen, dass für Personalverantwortliche  weniger entscheidend sei, woher der Abschluss stamme. Claus Reitan wiederum erklärte, dass Politikwissenschaftler allein aufgrund ihrer Institutionenkenntnis in Medien einen gewissen Startvorteil haben. 


Die Veranstaltung fand letztlich kaum Antworten auf die Ausgangsfrage, erläuterte aber grundsätzliche Bedingungen des Arbeitmarkts für Politikwissenschaftler aus vielfältigen Perspektiven. Daraus entwickelte sich auch eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Publikum, unter anderem Jean-Monnet-Professor Dr. Heinrich Neisser. Dem Titel der nur eine Woche später angesetzten Podiumsdiskussion „Willkommen, Bachelor!“ wollte an diesem Abend aber noch niemand uneingeschränkt zustimmen. 

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